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Hitlergruß rechtsradikal? Skinhead in Thüringen von negativem Feedback übermannt

Damit hat Ulf H. (Spitzname „Die Glatze“) nicht gerechnet: Ein harmloser Hitlergruß führte zu heftigen Reaktionen auf Twitter – teilweise sogar zu Beschimpfungen. Das soll sich jetzt ändern, Ulf will die simple Alltagsgeste durch profanes Händeschütteln ersetzen.

Die Zeiten ändern sich. Das musste vergangene Woche auch Ulf H. (Name der Redaktion bekannt), einfacher Bürger und beruflich engagierter Skinhead, anerkennen. Jahrelang galt als gesellschaftlich akzeptiert, sich in seinen Kreisen mit dem sogenannten „Hitlergruß“ zu begrüßen. Hintergedanke: Null. Rechtsradikales Gedankengut: Fehlanzeige. Zu Recht war Ulf dann „von der Situation völlig übermannt“, wie er einem lokalen Radiosender unumwunden zugab, als plötzlich Kritik und (auch) negatives Feedback auf ihn hereinprasselte. Sein Twitter-Account ist seitdem sogar offline.

„Ja was soll ich sagen. Ich bin so aufgewachsen. Ich hab viele Freunde, wir sind alle ehrenamtlich für unser Land unterwegs. Wir sorgen für ein erhöhtes Sicherheitsgefühl, Gedenken regelmäßig den armen Wehrmachtshelden, kümmern uns um die Nachbarn, wenn wo der Verdacht aufkommt, dass Nicht-Deutsche anwesend sind. Aber wir sind so weit von rechtsradikal entfernt wie der Papst vom Teufel. Und grüßen tun wir uns schon seit Generationen mit dem Hitlergruß. Ja wo kommen wir denn da hin, wenn wir die Traditionen unserer Väter und Großväter plötzlich aufgeben sollten. Ja ich glaub es hackt, gehts noch? Das hat doch mit Nazi nichts zu tun. Der Hitlergruß ist für uns doch nur ein Zeichen der Freundschaft, des friedlichen Miteinander, des Zusammenhaltes!“

Widerwillig wird Ulf in Zukunft jedoch den Hitlergruß mit dem simplen Handschlag tauschen. Zu schwer lastet das negative Feedback auf seinem Gemüt: „Ich sage ihnen, ich bin ja nur ein einfacher, sensibler, die Umwelt und sich liebender Mitmensch. Wenn dann diese Welle des Hasses auf einem selbst niederprasselt, dann überlegt man schon, warum man das verdient hat. Ich kann so nicht weitermachen. Ich ziehe hiermit den Hitlergruß zurück.“ Sagt es, bestellt drei Bier und versinkt wieder in hochphilosophische Gespräche mit einer Runde gleichgesinnter und sorgenvoller Mitbürger.

Auch Christian L., bester Freund und Glatzenkollege von Ulf H., versteht die Welt nicht mehr und verteidigt seinen alten Schulkollegen: „Aus meiner Sicht ist Ulf überrascht worden von dem Feedback. Die Einschätzung war: Der Hitlergruß war in Ordnung, und wird auch in Zukunft in Ordnung sein. Ulf war offensichtlich übermannt und hat spontan eine Entscheidung getroffen, den Hitlergruß weiterhin auszuführen. Diesen Fehler hat er mit seiner Ersatzgrußankündigung korrigiert. Da muss man erlauben, dass jemand sich selbst korrigieren kann.“

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